Das Echo der Erinnerung

Roman von Richard Powers
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Über

Die Felder der Erinnerung sind schier unendlich weit. Das gilt vor allem für jene Felder bei Kearny in den USA, auf denen sich jedes Jahr nach der inneren Uhr eines Urzeitgedächtnisses rund eine halbe Million Kanadakraniche -- vier Fünftel des Weltbestands -- versammeln. „Sie folgen dem Central Flyway, der Zugroute, die sich einer riesigen Eieruhr gleich über den ganzen Kontinent legt“, heißt es in Richard Powers’ grandiosem Epos Das Echo der Erinnerung. „Sie kommen aus Neumexiko, Texas und Mexiko, legen Tag für Tag Hunderte von Meilen zurück und haben noch Tausende von Kilometern vor sich, ehe sie ihre der Erinnerung eingeprägten Nistplätze erreichen. Dieser Flug liegt außerhalb der Zeit. Jeder Kranich erinnert sich an den Weg, der noch in der Zukunft liegt“.

In Powers’ Roman tun sich die Menschen erheblich schwerer mit ihrem Gedächtnis -- und dem Gedächtnis ihrer Artgenossen. Diese Erfahrung muss Karin Schluter machen, als ihr Bruder Mark, eigentlich ein ausgezeichneter Fahrer, bei den Kranichfeldern mit seinem Truck von der Straße abkommt und schwer verletzt liegen bleibt. Karin gibt ihren lukrativen Job auf und zieht in Marks schäbiges, von ihm heiß geliebtes Fertighaus, um ihn zu pflegen. Sie sieht den Unfall als zweite Chance, um nach ihrer gemeinsamen verkorksten Kindheit in einem fundamentalistischen Elternhaus einen Neuanfang zu wagen. Aber Marks Erwachen aus dem Koma ist für sie ein Schock. Zwar reagiert der junge Mann auf seine Umwelt fast wieder normal. Aber seinen Hund und seine Schwester hält er für eine Art Aliens oder doch zumindest für CIA-Beamte, die gegen die Originale ausgetauscht wurden, um ein geheimes Experiment mit ihm zu veranstalten. In ihrer Not wendet sich Karin an den berühmten Hirnforscher Gerald Weber, der dieses als Capgras-Syndrom bekannte Phänomen heilen soll. Aber Weber stößt schon bald an seine Grenzen -- und gerät immer mehr in eine berufliche Krise ....

Das Echo der Erinnerung ist ein großartiges Buch, das auf über 530 Seiten tief eindringt ins weite -- und verstörende -- Feld des menschlichen Hirns. Nur jene am Anfang noch witzigen Dialoge zwischen Weber und seiner Partnerin wirken im Lauf der Lektüre etwas bemüht. Egal: Powers ist und bleibt ein großartiger Erzähler. Und Das Echo der Erinnerung ist ein phantastisches Buch. --Thomas Köster

Erschienen

2006

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