Shalimar der Narr

Roman von Salman Rushdie
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Über

India will nicht India heißen. “India klang für sie immer noch falsch, exotisch, kolonial”, heißt es über eine der jungen Hauptfiguren in Salman Rushdies Roman Shalimar der Narr: „ein Name, der die Aneignung einer Realität andeutete, die ihr nicht gehören konnte; und sie beharrte darauf, dass er sowieso nicht zu ihr passte, dass sie sich nicht wie Indien fühlte, obwohl ihre Haut von satter, tiefdunkler Farbe war, das lange Haar schimmernd und schwarz.“ India weiß gar nicht, wie sehr sie mit ihrer Abneigung intuitiv der Wahrheit nahe kommt. Denn in Wirklichkeit heißt sie gar nicht India. In Wirklichkeit heißt sie Kashmira.

Gezeugt wurde Kashmira von der Tänzerin Boonyi und dem Ausnahme-Diplomaten Max Ophuls. Ophuls hat Boonyi dem Narren Shalimar ausgespannt. Shalimar lässt sich derweil aus Gram zum islamistischen Terroristen ausbilden und heuert als Chauffeur bei Ophuls an, der seinerseits lange für den US-amerikanischen Antiterrorkampf tätig war. Eines Tages schneidet er Ophuls die Kehle durch. India beginnt, nach den Hintergründen der Tat zu fahnden. Langsam kommt sie ihrer eigenen Geschichte auf die Spur: und der Leser erfährt, dass India eigentlich eine Allegorie ist für das geteilte und einstmals paradiesische Land Kashmir am Fuße des Himalaya, das zwischen Pakistan und Indien zerrissen ist.

Warum gibt es Hass auf der Welt? Das ist die Frage, die Rushdie in den Hunderten kleiner Geschichten, Anspielungen und Verweise von Shalimar der Narr in immer neuen Varianten stellt. Es ist vor allem der Hass der Kulturen, dessen erstes prominentes Opfer er in gewisser Weise geworden ist und dessen Konsequenzen die Welt am 11. September 2001 zu spüren bekam. Rushdie will erklären und mystisch verklären zugleich, in einer ungemein phantasievollen, paradiesisch bunten Sprache. Manchmal will er auch zuviel. Aber im Grunde wird sich niemand während der Lektüre dieses faszinierenden Panoptikums langweilen. --Stefan Kellerer

Erschienen

2005

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