Das stille Haus

von Orhan Pamuk
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Über

Recep hat es nicht leicht. Denn der kleinwüchsige Ich-Erzähler muss allein mit seiner 90-jährigen Stiefmutter Fatma ein Haus bewohnen, und die Greisin macht ihm das Leben allzu schwer. Den Tod ihres Mannes Selahatin – ein von seiner Frau unverstandener und ausgebremster Freigeist und Alkoholiker – hat Fatma nie so recht verwunden: Der Geist des Arztes schwebt wie ein unheilvolles Verhängnis über dem Gebäude und den Bewohnern. Jetzt spricht die streng gläubige Frau jede Nacht mit ihrem toten Mann und sagt ihm Dinge, die sie sich früher zu sagen verkniffen hat. Und trotzdem stehen nun, am Rande des Todes, auch das eigene Leben und die eigenen Überzeugungen für Fatma auf dem Prüfstand...

Mit 31 Jahren schrieb der spätere türkische Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk seinen Roman Das stille Haus, und an mancher Stelle merkt man dem Buch die erzählerische Unerfahrenheit seines Autors durchaus an. An anderen – den meisten – Stellen hingegen muss man stauen über die Reife und Souveränität, mit der bereits der junge Pamuk sein Sujet beherrscht, und über die vielen narrativen Kniffe und differenzierten, lebendigen Gestalten, die er wie ein Zauberkünstler aus dem Ärmel zieht.

Das hat vor allem auch damit zu tun, dass Pamuk nicht bei der Schilderung von Fatmas Innenleben und ihrem schwierigen Verhältnis zu Recep stehen bleibt, sondern die oftmals psychisch recht komplexen Enkelkinder Faruk, Metin und Nilgün, die ihre Großmutter im „stillen Haus“ besuchen kommen, in die Schilderung mit einbezieht. Es ist der Sommer 1980, also die Zeit kurz vor dem Militärputsch in der Türkei; so bekommt die Familiengeschichte, die zwischen alten und neuen Auffassungen hin- und herpendelt, noch eine politisch brisante Position – eine Position, die Pamuk ja bis heute in seiner Heimat so umstritten (und so wichtig) macht. -- Stefan Kellerer

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