Denkt

Fiktion, Roman von David Lodge
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Über

David Lodge liebt Tonbandaufnahmen. In Wunde Punkte dient ein Diktaphon als Racheinstrument, das sich schicksalhaft gegen seinen intriganten Nutzer kehrt. Und in Denkt hilft ein Recorder dem Erzähler gleich zu Anfang, seinen Bewusstseinsstrom in fiktiver Unmittelbarkeit darzustellen. Ein kluger narrativer Trick, um "menschliches Denken zu simulieren" und gleichzeitig aufzuzeichnen; allein wegen dieser überraschenden Pointe hat sich die Lektüre schon gelohnt.

Überhaupt wird viel über das Denken nachgedacht in Denkt. Dazwischen aber passiert eine ganze Menge, und das in typischer Lodge-Manier: Der glücklich verheiratete Kognitionsforscher Ralph Messenger hat einen renommierten Lehrstuhl an der Uni Gloucester inne. Eigentlich könnte er mit seinem Leben zufrieden sein. Trotzdem stellt er seiner neuen Kollegin Helen Reed nach, was allerlei Verwicklungen nach sich zieht. Denn Lodges Helden sind psychologisch recht unsichere Zeitgenossen, die den Versuchungen des erotischen Alltags nicht widerstehen können.

Und so endet auch der einleitende innere Monolog Messengers nicht -- wie der wohl berühmteste "stream of consciousness" der Weltliteratur in James Joyces' Ulysses -- mit einem klaren "Ja", sondern mit einem unbestimmten "warum nicht". Nach einem zweifelvollen Liebesrausch, der in parallelen Handlungssträngen mittels der Reflexionen Messengers und der Tagebuchnotizen Reeds aufgezeichnet ist, bleibt der Professor als gerupfter Hahn und die Geliebte als betrogene Betrügerin zurück. Und wir als zufriedene, da amüsierte Leser.

Lodge hat seinem fulminanten Campus-Roman, auf den wir jahrelang haben warten müssen, eine augenzwinkernde Bemerkung vorangestellt: "Die University of Gloucester ist eine völlig fiktive Einrichtung. Wenigstens war sie das, bevor dieser Roman geschrieben wurde." Denn jetzt existiert sie wirklich: Der Autor hat sie erdacht. Und wenn es sie immer noch nicht gäbe, so müsste man ihn bitten, sie endlich zu erfinden. --Thomas Köster

Erschienen

2001

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